Publikation über Menschenrechte von Frauen vorgestellt

Maria-Cristina Rendón, LWB-Programmassistentin für Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung von Frauen, spricht zu den Teilnehmenden der Veranstaltung. Foto: LWB/S. Gallay

LWB-Generalsekretär Junge betont realitätsprägende Partnerschaften vor Ort

Genf (LWI) – Im Kontext der Vorstellung einer gemeinsamen Veröffentlichung von fünf glaubensbasierten Organisationen (FBOs) am 6. Mai im Ökumenischen Zentrum in Genf ist die gemeinsame Überzeugung sehr deutlich geworden, dass Partnerschaften gestärkt und Bündnisse ausgeweitet werden müssen, um gegen die zunehmenden Rückschläge in Bezug auf die Menschenrechte von Frauen anzuwirken.

Die englischsprachige Publikation „Affirming Women‘s Human Rights – Resources for Faith-Based Organizations“ (Menschenrechte von Frauen bekräftigen – Materialien für FBOs), die der Lutherischer Weltbund (LWB) veröffentlicht hat, ist das Ergebnis der von der Schwedischen Kirche, Finn Church Aid, Mission 21, dem LWB und dem Ökumenischen Rat der Kirchen gemeinschaftlichen organisierten Initiative „Women‘s Human Rights Advocacy Training“. An der Veranstaltung zur offiziellen Vorstellung der Publikation nahmen neben Vertreterinnen und Vertreter der Vereinten Nationen und der Frauenorganisation der Vereinten Nationen (UN-Frauen) auch Vertreterinnen und Vertreter anderer internationaler Nichtregierungsorganisationen, diplomatischer Vertretungen, einiger LWB-Mitgliedskirchen und Mitarbeitende von in Genf ansässigen FBOs teil.

Maria-Cristina Rendón, LWB-Programmassistentin für Gendergerechtigkeit und die Stärkung von Frauen stellte die Publikation im Namen der fünf Partnerorganisationen vor. Sie dankte den Beteiligten für die bereichernde Zusammenarbeit seit 2015. Da fand erstmals der Lehrgang für das Engagement für die Menschenrechte von Frauen statt. Inzwischen wird er jährlich organisiert, und es nehmen bis zu 50 Personen an der Veranstaltung teil.

Die jährliche Schulung ist zu einer wichtigen Plattform geworden für Gespräche über die direkte Verbindung zwischen dem theologischen Verständnis, dass Männer und Frauen nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurden, und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die bekräftigt, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben.

In der Publikation werden Themen beleuchtet, die auch in den Schulungen erörtert wurden. Ziel der Publikation ist es, Kapazitäten zu stärken, sich aus den eigenen Glaubensüberzeugungen heraus für die Menschenrechte von Frauen einzusetzen, und dabei insbesondere Menschenrechtsinstrumente der Vereinten Nationen wie zum Beispiel die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women, CEDAW) und die Allgemeinen Regelmäßigen Überprüfungen (Universal Periodic Review, UPR) anzuwenden. Die Publikation zeigt Zusammenhänge zwischen Religion, Fundamentalismus und Diskriminierung auf und beleuchtet Themen wie Männlichkeiten, Geschlechterstereotypen und sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt sowie Überschneidungen zwischen dem Entwicklungsziel 5 der Agenda 2030 mit dem Thema Gendergleichheit und den anderen Zielen für nachhaltige Entwicklung.

Rendón erklärte, „der Beitrag von FBOs ist von größter Bedeutung, insbesondere in Kontexten, in denen Religion missbraucht wird, um Frauen zu diskriminieren, zu verletzen oder ihre Rechte zu untergraben“. Die fünf ökumenischen Organisationen würden sich „seit Langem für Menschenrechte engagieren“, so Rendón. „Und wir haben die gleichen Überzeugungen und Werte in Bezug auf Inklusion, Nichtdiskriminierung, einen Arbeitsansatz, der in der Achtung der Menschenrechte begründet ist, und das Engagement für Gendergerechtigkeit.“

Kompetenzen und Fertigkeiten für Friedenskonsolidierung und den Kampf gegen Diskriminierung

Die Veranstaltung bot jeder der beteiligten Organisationen Raum, über ihre eigenen Arbeitsschwerpunkte zu berichten.

Mission 21 hat mehrere Führungspersonen von Entwicklungsprogrammen in Afrika, Asien und Lateinamerika dabei unterstützt, insbesondere im Zusammenhang mit kontextueller Theologie bestimmte Methoden und Arbeitsweisen umzusetzen, um dem in besorgniserregendem Maße zunehmenden Fundamentalismus entgegenzuwirken. Die in Basel beheimatete Organisation hat sich darüber hinaus sehr stark für den Aufbau von Kapazitäten zum Beispiel in Bezug auf die Arbeit zu Themen wie HIV und geschlechtsspezifische Gewalt sowie für die Kompetenzentwicklung bei Frauen als Friedensstifterinnen engagiert.

Die Unterstützung von Finn Church Aid umfasste unter anderem die Arbeit mit Vertreterinnen und Vertretern aus Nepal im UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW), um Input zu liefern zu Themen in Zusammenhang mit Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit und Menschenhandel. 

Die Schwedische Kirche hat lokale Partner in mehreren Ländern dabei unterstützt, sich in den UPR-Prozess einzubringen, und hat eng mit theologischen Institutionen zusammengearbeitet, um das Thema Gendergerechtigkeit in der Theologieausbildung zu fördern.

Joanna Lilja von der Schwedischen Kirche moderierte Gruppengespräche über die beunruhigende Entwicklung, dass Regierungen und starke Lobbygruppen zunehmend versuchen, das durch die UN-Mechanismen in der Förderung der Rechte von Frauen auf nationaler und globaler Ebene Erreichte rückgängig zu machen.

Prophetischer Eigensinn

Auch LWB-Generalsekretär Martin Junge stelle fest, dass „die etablierten internationalen Menschenrechtsinstrumente wieder in Frage gestellt werden“.

Er wies aber auch darauf hin, dass solche Rückschläge kein Grund sein sollten, dass sich von Hoffnungslosigkeit überwältigen zu lassen, sondern vielmehr mit einem gewissen „prophetischen Eigensinn“ mit Blick auf eigene im Glauben verwurzelte Werte zu reagieren. „Es ist kein Widerspruch, sich für Gendergerechtigkeit einzusetzen und an den dreieinigen Gott zu glauben. Ganz im Gegenteil: Das geht Hand in Hand – es ist ein theologisches Bekenntnis und eine theologische Verpflichtung, die wir weiter ausarbeiten und bekräftigen wollen“, betonte er.

Junge dankte den UN-Partnerorganisationen für ihre Unterstützung der FBOs und sagte, dass die bevorstehenden Aufgaben eine noch intensivere Zusammenarbeit für die Förderung von Kompetenzen in Bezug auf die Menschenrechtssprache und -begrifflichkeiten erforderten. Er wies darauf hin, dass die Verbindung und Beziehung von lokaler und globaler Advocacy nicht viel bewirken würde, wenn sie nicht in einem Prozess gefördert würde, der auch konkrete Auswirkungen auf den jeweiligen lokalen Kontext habe. Die Empfehlungen von Gruppengesprächen umfassten zudem auch den Aufruf zu einer stärkeren Einbindung junger Menschen in das Engagement für Gendergerechtigkeit.

Mit Blick auf die Agenda 2030 sagte Junge, in dem Engagement der FBOs gehe es darum, dass alle Menschen sich entfalten können müssen, und deshalb sei das Ziel der Agenda 2030, „‚niemanden zurückzulassen‘ für uns so wichtig“.