Neustart in einem fremden Land

Flüchtlingen helfen, auf eigenen Beinen zu stehen

Dschibuti ist ein kleines und armes Land am Horn von Afrika. Trotzdem ist es für viele Menschen ein sicherer Hafen. Denn Dschibuti ist umgeben von Ländern, in denen gewaltsame Konflikte herrschen. Deshalb sind in den vergangenen Jahren Zehntausende Flüchtlinge ins Land gekommen. Dem Lutherischen Weltbund (LWB) liegt besonders die Situation von Flüchtlingskindern am Herzen, die oft traumatisiert sind. Der LWB will deren Zukunft durch Bildung sichern, aber auch durch die Existenzsicherung von Familien, damit diese ein Auskommen haben und ihre Kinder in die Schule schicken können. Deshalb fördern die Lutheraner die Gründung von kleinen Handwerksbetrieben.

Auf der Flucht vor Bürgerkrieg, Gewalt und Unterdrückung sind in den vergangenen Jahren Zehntausende Menschen nach Dschibuti gekommen. Wegen der Kriege und Krisen am Horn von Afrika wissen sich viele Menschen nicht anders zu helfen, als ihre Heimat zu verlassen und mit dem Nötigsten zu fliehen. Zwar ist das kleine Land, das an Somalia, Äthiopien und Eritrea grenzt und vom Jemen nur durch eine schmale Wasserstraße getrennt ist, von den Kämpfen weitgehend verschont geblieben. Aber durch die seit Jahren ankommenden Flüchtlinge spürt das Land, wie unsicher die Region ist.

 

Yausuf Mohamed Faarax in der Tür seines eigenen Geschäfts. Foto: LWB/ Heléne Wikström

 

Dabei kann Dschibuti den geflüchteten Menschen kaum mehr bieten als Sicherheit. Das Land gehört selbst zu den ärmsten Ländern Afrikas: Jeder Zweite hat hier keine Arbeit und mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Trotzdem kommen die Flüchtlinge meist bei Familien unter und werden von den Einheimischen unterstützt. Häufig reicht das aber nicht für eine menschenwürdige Versorgung. Und Arbeit zu finden, um sich selbst zu versorgen, ist für Flüchtlinge noch einmal schwerer als für Einheimische.

Ohne Einkommen können Kinder von Flüchtlingen nicht in die Schule geschickt werden. Daher ist das eigene Einkommen so wichtig. Eine echte Chance haben Flüchtlinge in Dschibuti aber meist nur, wenn sie sich mit einem kleinen Handwerk selbstständig machen. Bei dieser Existenzgründung unterstützt sie der LWB mit einer Anschubfinanzierung für Ausrüstung und Material. Die Menschen sind dann nicht abhängig von Almosen. Möglich wird dies durch Spendenmittel aus Deutschland.

Auch der 30 Jahre alte Yausuf Mohamed Faarax ist nach Dschibuti gekommen. Der Somalier ist vor dem Bürgerkrieg geflüchtet, dem seine Eltern zum Opfer gefallen sind. Als ihm in einem Lager für intern Vertriebene von einem Wachmann in den Bauch geschossen wurde und er die anschließende Operation nur knapp überlebte, floh Faarax. Im Jahr 2010 kam er in Dschibuti an und fand in der Hauptstadt Zuflucht.

 

Wubet Kebede mit seiner Frau Eden und seinem Sohn Bereket auf dem Arm. Foto: LWB/Heléne Wikström

 

Doch er hatte Probleme, in Dschibuti Arbeit zu finden, weil er wegen seiner Verletzung nicht schwer tragen darf. In dieser misslichen Lage finanzierte ihm der LWB nicht nur eine Ausbildung zum Schneider, sondern gab ihm auch eine Nähmaschine und Material als Start in die Selbstständigkeit. Nun steht Faarax auf eigenen Beinen. Genauso wie Wubet Kebede. Der Vater von zwei kleinen Kindern konnte mit seiner Frau mit Hilfe des LWB ein Friseurgeschäft eröffnen. 

Ein besonderes Augenmerk des LWB gilt in Dschibuti außerdem der Bildung von Kindern und Jugendlichen, die nach einer Flucht oft nicht mehr die Schule besuchen können. Mehr als 3.000 jungen Menschen hat der LWB bislang den Schulbesuch ermöglicht. Auch die Verteilung von Essen an Schulen gehört zum Programm des LWB. Dieser hat sich dabei zunächst auf zwei Flüchtlingslager konzentriert. Mit Unterstützung aus Deutschland hat der LWB seine Hilfstätigkeit auf die Hauptstadt Dschibuti-Stadt ausdehnen können.