LWB-Hospital in Jerusalem muss regulären Betrieb aussetzen

Kein Geld für Medikamente – Hunderte Behandlungen bedroht

Die Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes (LWB), Anne Burghardt, hat an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, appelliert, die für 2021 versprochene Unterstützung der EU für die lebensrettenden Krebsbehandlungen im Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Ostjerusalem zeitnah freizugeben.

Aktuell musste das Krankenhaus den regulären Betrieb einstellen. Über 500 Krebs-Patientinnen und -Patienten mussten seit September 2021 abgewiesen werden, da das Krankenhaus kein Geld mehr hat, um die notwendigen Medikamente zu bezahlen. Rund 500 laufende Behandlungen werden aber bis auf Weiteres fortgesetzt. Allerdings droht ständig, dass auch für diese Behandlungen das Geld ausgeht. Aktuell reichen die Medikamente nur bis Ende Juni.

 

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Sameer Ibrahim Karajaha aus Ramallah bei seiner Chemotherapie im Auguste-Viktoria-Krankenhaus Anfang 2020. Foto: LWB/Albin Hillert

 

Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus ist eines von sechs Krankenhäusern im Ostjerusalemer Krankenhausverbund und wird seit 1950 vom LWB betrieben. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich das Krankenhaus in ein hochspezialisiertes Krebsbehandlungszentrum entwickelt, in dem Behandlungen angeboten werden, die für die rund fünf Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen sonst nirgends zugänglich sind.

Aufgrund erheblicher Verzögerungen bei der Bezahlung von Rechnungen für Patientinnen und Patienten, die vom palästinensischen Gesundheitsministerium zur Behandlung hierhin überwiesen wurden, leiden das Auguste Viktoria-Krankenhaus und die anderen Ostjerusalemer Krankenhäuser seit vielen Jahren unter einer chronischen Finanzierungskrise. Die derzeitigen Schulden der Palästinensischen Autonomiebehörde bei den sechs Krankenhäusern werden auf insgesamt rund 100 Millionen Euro geschätzt; etwa 70 Millionen davon werden allein dem Auguste-Viktoria-Krankenhaus geschuldet.

„Fatale Folgen“ einer Finanzierungslücke

Die Auszahlung der jährlichen Zuwendung der EU für das Krankenhaus, die im vergangenen November im Rahmen des PEGASE-Mechanismus, dem palästinensisch-europäischen Mechanismus zur Verwaltung der sozioökonomischen Unterstützung, fällig war, wurde bis Februar aufgeschoben. Jedoch seien auch Anfang Mai immer noch keine Geldeingänge zu verbuchen gewesen und das könne „potenziell fatale Folgen“ haben, wenn nicht bald Finanzmittel eingingen, erklärte Burghardt.

In den letzten zwanzig Jahren hat das Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Form von Finanzmitteln für Laborausstattung, Medizingeräten für die Krebsbehandlung und die Ausbildung und Schulung von Personal darüber hinaus wichtige Unterstützung von der US-amerikanischen Behörde für Internationale Entwicklung USAID erhalten. Es besteht die Aussicht, dass diese fruchtbare Zusammenarbeit auch in den kommenden Jahren fortgesetzt und ausgebaut werden kann.

Das auf dem Ölberg gelegene Auguste Viktoria-Krankenhaus ist das einzige Krankenhaus, in dem krebskranke Menschen aus den palästinensischen Autonomiegebieten eine Strahlentherapie erhalten können, und die einzige Einrichtung im Westjordanland, die pädiatrische Dialysebehandlungen bei chronischer Nierenerkrankung anbietet. Der LWB und seine Mitgliedskirchen machen sich große Sorgen über die Auswirkungen der anhaltenden Finanzierungskrise für die Patientinnen und Patienten, zu denen auch Kinder zählen, die besonders gefährdet sind, wenn Behandlungen vorübergehend ausgesetzt werden müssen.

Über das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten wird das Auguste Viktoria-Krankenhaus im Mai 500.000 US-Dollar für die Medikamente von Patientinnen und Patienten bezahlen, die derzeit eine Chemotherapie erhalten. Darüber hinaus hat das Krankenhaus weitere 500.000 US-Dollar von der deutschen Bundesregierung erhalten, um die Medikamente für die lebensrettenden Behandlungen weiterhin bezahlen zu können. Burghardt erklärte, dass diese Notfall-Unterstützung sehr geschätzt würde und dringend notwendig sei, aber sie rief auch die Präsidentin der Europäischen Kommission dringend auf, „die für das Ostjerusalemer Krankenhaus vorgesehenen EU-Gelder im Rahmen des PEGASE-Mechanismus unverzüglich freizugeben“.