Lutherischer Weltbund hilft Rohingya in Myanmar

Zeltplanen über Äste gelegt, unten ein matschiger Boden. Eine Handvoll Kinder in der Hütte und ebenso viele Erwachsene. Müde Augen und schwere Körper. So blicken uns seit letztem Sommer immer wieder Flüchtlinge aus Myanmar auf Fotos aus Bangladesch entgegen.

Seit August 2017 wurden über 600.000 Menschen vor allem vom staatlichen Militär aus ihrer Heimat im nördlichen Teil des Bundesstaates Rakhine vertrieben. Hütten wurden geplündert, Felder in Brand gesetzt und Frauen vergewaltigt. Die meisten Betroffenen gehören der muslimischen Minderheit in Myanmar an, die man bei uns oft Rohingya nennt. Laut UN sind sie die am stärksten verfolgte Minderheit der Welt.

Seit Jahrzehnten werden die Rohingya systematisch von der Regierung Myanmars bedrängt. Ein normales Leben ist für sie unmöglich. Obwohl viele seit Generationen in Myanmar leben und auf eigenen Füßen stehen, haben sie keine Bürgerrechte. In den letzten Jahrzehnten setzt die Regierung auch immer wieder Gewalt gegen sie, aber auch ihre Häuser und Felder ein. Das einfache Ziel: die Lebensgrundlage der Rohingya zu zerstören. Viele Rohingya landen so zwangsläufig in Flüchtlingslagern.

LWB hilft in Lagern

Seit 2013 arbeitet der Lutherische Weltbund (LWB) in verschiedenen solcher Lager in Myanmar. Allein in Zentralrakhine umfassen sie 120.000 Menschen. Überleben können die Bewohnerinnen und Bewohner nur durch die Hilfsorganisationen, wie dem Welternährungsprogramm, das für die Nahrungsversorgung zuständig ist, oder dem Lutherischen Weltbund. Er hat in verschiedenen Lagern in Zentralrakhine die Leitung inne und kümmert sich um viele alltägliche Bedürfnisse der Menschen: Seife, Zahnbürsten oder Kochgeschirr zum Beispiel. 

Zudem sind Bildungsangebote Schwerpunkte des LWB in den Lagern. Von frühkindlicher Entwicklung über Schulunterricht bis hin zur Vermittlung von praktischem Alltagswissen reicht die Palette, denn zu den staatlichen Schulen haben die Kinder im Lager keinen Zugang. Dabei ist es umso wichtiger, dass sie etwas lernen, um in der Zukunft eine Chance zu haben.

Dürfen Rohingya zurück nach Myanmar?

Nach dem gewaltsamen Konflikt im Sommer 2017, der zu der Massenflucht nach Bangladesch führte, musste der Lutherische Weltbund seine Aktivitäten in den Lagern zwischenzeitlich einstellen. Die Regierung hatte den Zugang in die Camps verwehrt. Erst im November konnte es weitergehen: Über 3.000 Familien hat der Lutherische Weltbund seitdem mit lebensnotwendigen Gegenständen versorgt, mit Decken, Kleidung oder Moskitonetzen. Geplant ist außerdem, vier Fußwege und 26 Brücken zu bauen, damit die Lager in der Regenzeit nicht in den Fluten versinken.

Die Menschen in den Lagern in Myanmar werden also wieder versorgt. Für die Geflüchteten in Bangladesch ist die Aussicht auf eine Rückkehr immer noch unklar. Zwar wurde eine Einigung zwischen den beiden Regierungen vermeldet, nach der die Rohingya in den nächsten zwei Jahren zurückkehren sollen. Zu sehen ist davon aber noch nichts. Davor ist noch eine zentrale Frage zu klären: Unter welchen Bedingungen können die Rohingya in Myanmar leben? Dürfen sie als vollwertige Bürger in ihre Heimatdörfer zurück oder müssen sie auch in Lagern leben?

Der Lutherische Weltbund setzt sich für eine gerechte und menschenwürdige Lösung für alle Bewohnerinnen und Bewohner Myanmars ein, unabhängig davon, ob sie der christlichen, muslimischen oder buddhistischen Religion angehören. Parallel laufen die Hilfsprogramme weiter und der LWB bereitet sich auf eine Ausdehnung seiner Arbeit vor, wenn Menschen aus Bangladesch zurückkommen.

 

Das Nötigste bereitstellen

Zahnbürsten, Seife und andere Hygieneartikel für eine Familie
Reis, Bohnen und etwas Öl, Salz und Zucker für eine Person
Eine 16 m²-Behelfsunterkunft für eine Familie