Kinder brauchen eine Schule

Benjamin Makoor ist nicht der Typ, der einfach abwartet, was passiert. Deswegen ist der Flüchtling aus dem Südsudan heute Leiter einer Grundschule in Uganda.

Als er im Flüchtlingslager Njumanzi ankam, sah er dievielen Kinder, die nichts zu tun hatten. Eine Schule gab es damals nicht, nur Bäume, Gras und Sträucher. „Wir müssen etwas unternehmen“, erklärte er den Eltern. „Die Kinder brauchen eine Schulbildung.“ Gesagt, getan: Den ersten Unterricht hielt Makoor unter zwei großen Bäumen ab. „Das reicht fürs Erste“, meinte er, „das Lernen fängt an, wo es Schüler und Lehrer gibt.“

Inzwischen gibt es eine richtige Schule mit Tafeln und Bänken. Makoor, der im Südsudan Lehrer ausbildete, ist der erste Schulleiter. Schnell füllten sich die Klassenräume. Alle Kinder wollen lernen – mitunter 160 Schüler in einer Klasse. Trotzdem verließen die Kinder die Schule immer schon vor dem Ende des Unterrichts. Warum? „Es gab kein Wasser“, erklärt Makoor. Wenn die Kinder Durst bekamen, liefen sie zur nächsten Wasserstelle. Aber die war weit entfernt.

Zurück zur Schule kamen daher die wenigsten. Richtig funktioniert der Unterricht erst seitdem der Lutherische Weltbund die Schule an ein Wassersystem angeschlossen hat. Die Schule hat nun eine eigene Wasserstelle. Jetzt müssen die Kinder nur noch einen Knopf drücken, um zu trinken oder nach dem Besuch der Latrine ihre Hände zu waschen. „Die Hygiene und der Schulbesuch haben sich stark verbessert“, berichtet Makoor. Und auch die Kinder, die sonst für ihre Familien das Wasser holen mussten und keine Zeit für die Schule hatten, kommen jetzt zum Unterricht. Sie können den Schulbesuch mit dem Wasserholen verbinden.

Rund 200.000 Flüchtlinge leben in den Lagern im Distrikt Adjumani. Rund 2/3 davon sind Kinder und Jugendliche. Die meisten sind aus dem Südsudan geflohen, seitdem 2013 und Ende 2016 erneute Wellen interner Konflikte und Gewalt in dem jüngsten Land der Welt ausbrachen. Auch die 13-jährige Amach floh mit ihren zwei Geschwistern: „Wir schliefen, als die Schießerei losging“, erzählt sie. „Wir liefen zu Fuß und schliefen im Wald“, fasst sie die Flucht zusammen. Nach langer Zeit erreichten sie das Lager in Adjumani und kamen bei einer Tante unter. Ihr Vater kam an dem Tag der Kämpfe ums Leben. Amach und ihre Geschwister sind jetzt Waisen.

Neben der Wasserversorgung kümmert sich der Lutherische Weltbund um Kinder wie Amach. Waisen und Kinder, die auf der Flucht von ihren Eltern getrennt wurden. „Wenn sie ankommen, sind die Kinder schüchtern und traumatisiert“, berichtet Santa Lamunu vom LWB. Die Hilfsorganisation bringt sie bei Verwandten unter und unterstützt die Familie. Für Kinder wie Amach ist es besonders wichtig, zur Schule gehen zu können. Zu lernen und sich abzulenken.

Neben Lehrern, Schulgebäuden und Unterrichtsmaterial ist sauberes Wasser dafür essentiell. Der Lutherische Weltbund modernisiert daher in Adjumani Brunnen, so dass mehr Wasser gefördert werden kann. Über 3.000 Menschen versorgt allein der Brunnen, an den auch die Grundschule angeschlossen ist. 20 Liter Trinkwasser stehen so jeder Person pro Tag zur Verfügung. Nicht viel, aber genug zum Trinken, Waschen, Kochen. Und zum Lernen.