Eigene Ernte während des ganzen Jahres

Jeder sechste Nepalese ist unterernährt. Bei den Kleinbauern reichen die Lebensmittel oft nur sechs Monate nach der Ernte. Danach drohen Hunger und Verschuldung.

Was auf dem eigenen Feld wächst, hat in Nepal immer noch eine herausragende Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Nepalesen sind auf die eigene Ernte angewiesen, um sich zu ernähren. Meist ist das aber nicht genug und wenn die eigenen Feldfrüchte aufgebraucht sind, leiht man sich Geld für Lebensmittel. Eine Spirale der Verschuldung beginnt.

520 Kilo Mais

Manchmal ist es aber auch anders: "Meine diesjährige Ernte ist 30 Prozent höher als in den Vorjahren. Das sind 35 Tage mehr, die ich meine Familie selber ernähren kann", erzählt Jaysara Nepali fröhlich. Sie hat erstmals eine andere Sorte Mais angepflanzt. Eine Sorte, die besser an die Wetterverhältnisse und an den Boden angepasst ist. Den Tipp und das Saatgut hat sie von einer lokalen NGO erhalten, die vom LWB unterstützt wird. Meist braucht es gar keine große Technologie oder gentechnisch manipuliertes Saatgut, damit die Erträge der Kleinbauern steigen. Ein guter Tipp reicht meistens aus.

Oft sind es gerade die Frauen, die für den Anbau von Gemüse und Getreide zuständig sind. Sie erleben auch den Hunger ihrer Kinder, wenn die Vorräte zu Ende gehen und die Portionen kleiner werden. Das macht sie offen für neue Ideen. "Früher habe ich 400 kg Mais von meinem Feld geerntet", fasst die 38-jährige Jaysara Nepali zusammen. "Dank der Hilfe ist die Ernte auf 520 kg gestiegen."

Farmerin des Jahres

Auch Munni Birja kümmert sich als Mutter von drei Kindern um das Feld der Familie. Seit kurzem ist sie dabei überaus erfolgreich: Die letzte Ernte betrug über sieben Zentner Kartoffeln. Dafür wurde sie von staatlicher Seite mit der Auszeichnung "Farmerin des Jahres" prämiert. Bei der Preisverleihung liefen ihr die Freudentränen von der Wange. "Die Auszeichnung hat mich ermutig, noch mehr Gemüse anzubauen", so Birja.

Der große Erfolg hat sich eingestellt, nachdem sie von Sahara Nepal, einem lokalen Partner des LWB, unterstützt wurde. In einer Kleingruppe lernten die Dorffarmer viel über den Anbau von Gemüse. Traditionelles Wissen der Dorfbewohner wurde mit Fachwissen der lokalen NGO ergänzt - eine gelungene Kombination. Auch angepasstes Saatgut und Dünger erhielten die Gruppenmitglieder. Damit konnte es gleich losgehen.

"Früher war es schwer, meinen Mann und meine drei Kinder zu ernähren. Wir schliefen sogar mit hungrigen Bäuchen. Unsere Strohhütte musste jedes Jahr repariert werden und wir dafür einen Kredit aufnehmen", beschreibt Birja die Situation früher. Dank des neuen Erfolgs konnte die Familie auch der Verschuldungsspirale entgehen. Das Gemüse ernährt die Familie das ganze Jahr lang. Einen Teil können sie sogar auf dem Markt verkaufen. Ein Kredit ist nicht mehr notwendig und auch andere Ausgaben sind plötzlich möglich, z. B. der Schulbesuch der Kinder: "Seit ich angefangen habe, müssen wir uns keine Sorgen mehr über die Ausbildung unserer Kindermachen", sagt sie.

"Früher musste ich Leute um einen Kredit bitten", so Birja. "Mit meinem Erfolg heute kann ich Nachbarn in Not helfen!" Auf ihre Hoffnung für die Zukunft ist angesprochen, Birja uneigennützig: "Ich hoffe das Sahara Nepal und der LWB weiter solche Unterstützung für arme Dörfer wie unseres leisten".