Deutsche Delegierte bereiten sich in Krakau auf LWB-Vollversammlung vor

Foto: Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau durch Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Stellvertretende Vorsitzende des DNK/LWB, und dem Leitenden Bischof der EAKP, Bischof Jerzy Samiec. Foto: DNK/LWB, F. Hübner

Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und christlich-jüdisches Verhältnis im Mittelpunkt

Vom 9. bis 11. Januar fand die 2. Sitzung des Vollversammlungsausschusses des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) in Krakau (Polen) statt. Der inhaltliche Schwerpunkt dieser Tagung lag auf dem christlich-jüdischen Dialog und den deutsch-polnischen Beziehungen. Rund 80 Personen nahmen an der Tagung teil.

Zu Beginn der Tagung diskutierten Dr. Michael Groß, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Pfarrer Grzegorz Giemza vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Polen, Anna Wrzesińska von der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen (EAKP) und Prof. Dr. Martin Illert vom Deutsch-Polnischen Kontaktausschuss der EKD mit den Teilnehmenden zu den Konstanten und Veränderungen in den deutsch-polnischen Beziehungen. Dabei reflektierten sie die deutsch-polnische Geschichte und gingen auf die aktuelle politische Lage ein.

Ein Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau stand im Mittelpunkt des Programms. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in die brutalen Verbrechen, die hier in der Zeit des Zweiten Weltkrieges stattfanden und setzen sich mit der deutsch-polnischen Geschichte auseinander. In einem bewegenden Moment legte die Stellvertretende Vorsitzende des DNK/LWB, Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, einen Kranz gemeinsam mit dem Leitenden Bischof der EAKP, Bischof Jerzy Samiec, an der ehemaligen Erschießungsmauer des Stammlagers Auschwitz nieder. Mit dem Kranz soll den Opfern deutscher Verbrechen und Gewalt gedacht werden.

Der Besuch endete mit einem Moment der Besinnung und des Innehaltens am Gedenkplatz des Lagers Birkenau. Hierbei sprachen Landesbischof Ralf Meister, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, und Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Worte im Gedenken an die Opfer der deutschen Verbrechen an diesem Ort.

„Das Deutsche Nationalkomitee hat sich auf den Weg gemacht an diesen Ort des Todes und der Vernichtung. Im Schweigen der Opfer gedacht und die Schuld der eigenen Väter und Mütter vor Gott gebracht. In tastenden Worten das auszusprechen versucht, was nicht wirklich auszusprechen ist“, so Landesbischof em. Dr. h.c. Frank Otfried July, Vorsitzender des DNK/LWB.

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Stellvertretende Vorsitzende des DNK/LWB, betonte: „Wir müssen uns erinnern und der Opfer gedenken. Und wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie es zu diesen Verbrechen kommen konnte - auch um unserer Gegenwart und Zukunft willen. Denn das gehört zusammen: erinnern, gedenken und entschieden Verantwortung übernehmen - Verantwortung dafür, dass allen Menschen unveräußerliche Würde und das Recht auf Leben sowie körperliche Unversehrtheit zukommen.“

Im Nachgang des Besuchs wurde eine Handreichung zum christlich-jüdischen Verhältnis beraten, die den Delegierten und weiteren Interessierten zur Vorbereitung auf die kommende Vollversammlung des LWB dienen soll. Die Handreichung fasst wesentliche Entwicklungen und Ergebnisse der kirchlichen und theologischen Neuorientierung im Blick auf das Judentum aus den zurückliegenden gut sieben Jahrzehnten zusammen. Sie wurde erarbeitet in Kooperation mit der Lutherischen Europäischen Kommission Kirche und Judentum, (LEKKJ). Ihr Präsident Dr. Andreas Wöhle sowie weitere Personen aus dem Kreis der LEKKJ waren während der Tagung in Krakau anwesend. Seit dem 1. Januar 2023 hat das DNK/LWB offiziell die Geschäftsführung für die LEKKJ übernommen.  

Zudem bot die Tagung Raum für Austausch und Begegnung. So besuchten die Teilnehmenden u.a. ein Violinen-Konzert des „Violin Consort quartet“ in der Evangelischen Kirche von St. Martin in Krakau, wo sie gemeinsam beteten, innehielten und den Opfern deutscher Verbrechen und Gewalt gedachten.

The Violin Consort quartet in der Evangelischen Kirche von St. Martin in Krakau. Foto: DNK/LWB

An der Tagung nahmen Delegierte aus den elf deutschen LWB-Mitgliedskirchen zur LWB-Vollversammlung sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter der DNK/LWB-Kirchen. Als Gäste nahmen u. a. Mitglieder der Bischofskonferenz der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen (EAKP), jüdische Vertreter, Vertreterinnen und Vertreter von LWB-Kirchen aus Mittel- und Westeuropa sowie von weiteren evangelischen Kirchen aus Deutschland mit engen Beziehungen zu Polen teil.

Die Dreizehnte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) findet im September 2023 unter dem Thema „One Body, One Spirit, One Hope – Ein Leib, Ein Geist, Eine Hoffnung“ in Krakau statt. Krakau befindet sich in der Nähe des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Die Geschichte der Stadt ist unmittelbar verbunden mit Auschwitz, sie steht aber auch für eine jahrhundertelange Tradition jüdischen Lebens. Das Thema christlich-jüdisches Verhältnis wird auch eine wichtige Rolle auf der LWB-Vollversammlung einnehmen wird. Der Vollversammlungsausschuss hat die Aufgabe, die deutschen Mitgliedskirchen auf die Dreizehnte Vollversammlung des LWB vorzubereiten. Die deutschen Mitgliedskirchen stellen insgesamt 38 Delegierte zur LWB-Vollversammlung. Sie werden durch die Mitgliedskirchen benannt.

DNK/LWB, S. Kredig