Nicaragua

Medizinische Hilfe für die Ärmsten

Medizinische Versorgung ist für die Mehrzahl der Nicaraguaner unerschwinglich geworden. Mit Unterstützung des Lutherischen Weltbundes setzt die Nicaraguanische Kirche Glaube und Hoffnung (ILFE) auf Prävention und praktische Hilfe. Ihr Jugendprojekt zur Aufklärung über HIV/Aids hat weltweit Anerkennung gefunden. 

Nicaragua zählt zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Hunger und chronische Unterernährung sind in manchen Gebieten Alltag. Landeskenner schätzen die Arbeitslosenquote auf 60 bis 65 Prozent. Die Analphabetenquote, die unter der sandinistischen Regierung von 50 auf zehn Prozent gesenkt werden konnte, stieg in den vergangenen 15 Jahren neoliberaler Politik wieder auf 40 Prozent an.

Auch das öffentliche Gesundheitssystem ist praktisch zusammengebrochen. Aufklärung und Vorbeugung gibt es nicht. Wer behandelt werden möchte, kann sich entweder in teure Privatpraxen begeben oder er bringt Materialien wie Medikamente oder Wundauflagen selber mit. Eine tödliche Entwicklung, zumal gerade die Infektionsrate mit HIV/Aids in den vergangenen Jahren extrem zugenommen hat. Jeden Tag steckt sich mindestens ein Mensch mit dem HI-Virus an.

Die Nicaraguanische Kirche Glaube und Hoffnung (ILFE) hat sich dieser Herausforderung gestellt und im Rahmen der Kampagne des Lutherischen Weltbundes "Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen reagieren auf die HIV/Aids-Pandemie" ein Präventionsprojekt gestartet. In zwei Comic-Heften werden grundlegende Informationen über den Virus und die Ansteckungsmöglichkeiten vermittelt. Zwei weitere Hefte gehen besonders auf den Umgang mit erkrankten Menschen ein, damit Diskriminierungen vermieden werden. Mit Hilfe dieser Hefte wurden bereits 35 Jugendgruppen geschult. Die Jugendlichen sollen ihr Wissen in ihren Dörfern weitergeben und können bereits infizierte Menschen mit rechtlichen Tipps unterstützen. Das Projekt hat auf nationaler und internationaler Ebene große Anerkennung gefunden, besonders da der offene Umgang mit HIV/Aids für viele Kirchen noch immer ein Problem darstellt.

Vorbeugung von HIV/Aids ist aber nur ein Teil der Gesundheitsprojekte der ILFE, die seit vielen Jahren vom Lutherischen Weltbund unterstützt werden. Besonders in den ländlichen Gebieten ist die medizinische Versorgung völlig unzureichend bzw. unerschwinglich. Patienten mit begrenzten finanziellen Mitteln können daher im Rahmen der Projekte die Dienste von Ärzten, Zahnmedizinern und Laboratorien in den Kliniken in Managua und Chinandega kostenlos in Anspruch nehmen.

Außerdem wird durch die Ausbildung von so genannten "Promotoren für Gemeindegesundheit" die Information und Vorsorge in den ländlichen Gemeinden voran getrieben. Sie informieren zum Beispiel darüber, wie wichtig die Beseitigung von Abwässern und Müll zur Krankheitsvorbeugung ist.

Durch die aussichtslose Lage auf dem Land wird die Abwanderung in die Städte weiter zunehmen. ILFE versucht gerade Frauen durch Ausbildung und Qualifizierung Auswege aus der Armut zu zeigen. In der Stadt würden sie das Heer der Arbeitslosen nur vergrößern oder für einen Hungerlohn als Haushaltshilfe oder in der Textilindustrie enden.

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Publikationsdatum dieser Seite: 17.01.2012 09:16