Schulen für Mädchen

... zum Beispiel in Kenia und dem Sudan

Kakuma ist ein riesiges Flüchtlingslager in Nordkenia, das der Lutherische Weltbund (LWB) betreibt. Er unterstützt hier besonders den Schulbetrieb für die Kinder, denn vor allem für die Zukunft der Mädchen ist ihre Bildung ausschlaggebend.

Eigentlich hätte über der Hütte von Kuer Deng Biors Familie schon längst die Flagge wehen müssen. Damit signalisiert man im Südsudan und im Norden Kenias, dass hier ein heiratsfähiges Mädchen lebt. Und Bior ist schließlich schon 17 Jahre alt. Andere Mädchen ihres Alters haben normalerweise schon mindestens zwei Kinder. Doch Biors Eltern haben sich überreden lassen, ihre Tochter die Primarschule bis zum Abschluss besuchen zu lassen. So büffelt Bior jetzt in der 7. Klasse des "Angelina Jolie Mädcheninternates" für ihr Examen.

155 Schülerinnen besuchen zur Zeit die Angelina-Jolie-Schule im Flüchtlingslager Kakuma in Nordkenia. Die meisten stammen aus dem Sudan, andere aus Äthiopien oder Somalia. Ihre Familien sind vor dem Bürgerkrieg geflohen und hoffen, bald in ihre Heimat zurück kehren zu können. Die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie hat diese Schule 2003 gestiftet, nachdem sie das Lager besucht und die Situation der Mädchen und Frauen erlebt hatte.

Traditionell haben Frauen hier nicht viel zu sagen. Sie gehen bestenfalls vier oder fünf Jahre zu Schule, bevor sie verheiratet werden und Kinder bekommen. Ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung haben sie später kaum Chancen, eine selbstbewusste und finanziell wichtige Rolle in der Familie und in der Gemeinschaft zu übernehmen. Mehr Wissen und mehr Selbst-bewusstsein der Mädchen helfen aber nicht nur, ihre traditionelle Diskriminierung zu überwinden. Ein selbstbewusster Umgang mit ihrer Sexualität hilft auch die weitere Ausbreitung von HIV/Aids zu stoppen. Erfahrungsgemäß sinkt auch die Kindersterblichkeit, je länger eine Mutter zur Schule gegangen ist.

Ziel des Lutherischen Weltbundes (LWB) ist es, mehr Mädchen einen Schulabschluss zu ermöglichen. Zur Zeit besuchen fast dreimal so viele Jungen wie Mädchen die 24 Primarschulen in Kakuma und fast zehnmal so viele Jungen wie Mädchen gehen in die vier Sekundarschulen. Die LWB-Mitarbeitenden müssen oft schwierige Überzeugungsarbeit in den Familien leisten, denn diese können in der Regel weder das Schulgeld zahlen, noch auf die Arbeitskraft der Mädchen verzichten. Das Projekt unterstützt daher die Familien mit der Übernahme des Schulgeldes, mit Büchern und Heften.

Und die Mädchen zeigen, dass sie lernen wollen und den Grips dazu haben. Bior  lernt bis in die Nacht hinein - sie gehört zu den Besten ihrer Klasse. Sie hofft, dass ihre Eltern sie auch den Abschluss der Sekundarschule machen lassen. Ihr größter Traum: Sie möchte gern Pilotin werden: "Dann bin ich ganz frei und kann über alle Grenzen hinweg fliegen!"

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Publikationsdatum dieser Seite: 31.03.2011 15:30