Aids-Waisen
... zum Beispiel in Uganda
Jeden Morgen um sechs Uhr weckt Prudentio Sseguya (14) seine Brüder Leonhard (12) und Anatoli (10). Zusammen arbeiten sie in ihrem kleinen Garten und bringen das Haus in Ordnung, bevor sie um kurz vor acht zur Schule gehen. Der 18-jährige Bruder John Bosco lernt bei einem Maurer und ist um diese Zeit schon längst aus dem Haus. Die Brüder leben in Kaliiro, einem kleinen Ort im Rakai-Distrikt in Süduganda. Ihre Eltern sind schon vor einigen Jahren gestorben - beide an Aids. In Uganda gibt es Tausende dieser so genannter "Nur-Kind-Haushalte".
Der Rakai-Bezirk in Süduganda gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. Die meisten Familien hier leben von weniger als umgerechnet drei Euro pro Woche. Hier wurden 1982 die ersten Aids-Fälle des Landes entdeckt. Inzwischen sind in Uganda eine Millionen Menschen an Aids gestorben. Der Regierung gelang es jedoch durch gute Präventionsarbeit, die Infektionsrate von 18 und gebietsweise sogar 30 Prozent auf 6,2 Prozent zu senken.
Die Brüder Sseguya gehören der Aids-Selbsthilfegruppe von Kaliiro an, deren Mitglieder ihre Felder gemeinsam bewirtschaften. Auf einem Viertel der gemeinsamen Farmfläche bauen sie Passionsfrüchte zum Verkauf an. Hühner, eine Ziege und eine Kuh erhielten sie vom Lutherischen Weltbund (LWB) auf Kredit. Die erste Nachzucht mussten sie dafür an eine andere Gruppe weitergeben. Zwei weitere Ziegen und einen Bullen haben sie aus dem Verkauf der Passionsfrüchte selbst finanziert. Für Hausreparaturen und Wasserversorgung stellt der LWB Baumaterial und Werkzeuge bereit.
"Mein größter Wunsch ist, dass ich selbst ein großes, stabiles Haus bauen kann", sagt der 12-jährige Leonhard. Dafür möchte er in das Berufsbildungszentrum RACOBAP (Rakai Com-munity Based AIDS Project) des LWB in Lyantonde aufgenommen werden und das Maurer-handwerk lernen. Knapp 70 Jugendliche - Aids-Waisen und Kinder von schwer an Aids Erkrankten - werden dort im Maurern, Schreinern, Schneidern, in der Motorrad- und Fahrradreparatur, Haus- oder Landwirtschaft ausgebildet. Wenn der tägliche Weg zu weit ist, wohnen sie unterhalb der Woche im Zentrum. Jüngere Geschwister werden dann - mit Unterstützung des LWB - von der Selbsthilfegruppe im Dorf versorgt.
Am Ende der zweijährigen Ausbildung steht ein Kredit zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Etwa 75 € kostet die Basis-Ausstattung für einen Maurer oder eine Schneiderin, etwa 150 € die für einen Schreiner oder Motorradmonteur. In der ersten Zeit werden die Jungunternehmer noch weiter von ihren Ausbildern betreut. Der Andrang zu dieser Ausbildung ist so groß, dass jedes Jahr Jugendliche aus Kapazitätsmangel abgewiesen werden müssen.
Hilfe für Aids-Waisen - mit Ihrer Spende auf unser Konto 419 540 bei der EKK Hannover (BLZ 520 604 10)

