Vollversammlung des LWB in Stuttgart

"Unser tägliches Brot gib uns heute"

Vom 20. Juli bis zum 27. Juli 2010 tagte die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Stuttgart. Über 400 Delegierte und ungezählte Gäste, Berater und Journalisten der Welt waren in Deutschland zu Gast. Unter dem Thema "Unser tägliches Brot gib uns heute" ging es nicht nur um Nahrungssicherheit, sondern auch um weitreichende gesellschaftliche und religiöse Themen, wie die Bekämpfung von HIV und Aids, illegitime Schulden oder den Klimawandel. Auf dieser Seite bündelt das DNK/LWB seine Berichterstattung der Vollversammlung und verweist auf andere Internetangebote der Vollversammlung und des Lutherischen Weltbundes (ganz am Ende der Seite).

 

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"Ihr seid die Gegenwart der Kirche"

LWB-Spitze diskutiert mit lutherischen Jugendlichen

Am Dienstagabend stellte sich das Führungspersonal des LWB-Büros in Genf auf der Jugendkonferenz in Dresden ein. Der gewählte Generalsekretär Martin Junge und der amtierender Direktor der Abteilung für Mission und Entwicklung, Dr. Jaap Schep, diskutierten mit den jungen Erwachsenen. Themen waren neben dem Motto der Vollversammlung Fragen nach Mission und der Gemeinschaft der weltweiten Kirchengemeinschaft.

Beide gingen besonders auf die Aufgaben der Jugend im Lutherischen Weltbund ein. "Ihr seid nicht die Zukunft der Kirche, sondern ihre Gegenwart und in ihr gegenwärtig!", betonte der gewählte Generalsekretär Junge mehrfach. Schep ergänzte, dass die Jugend noch offen und spontan genug sei, um einfacher auf die an den Rand Gedrückten zuzugehen. Auf die Frage nach verbesserter Beteiligungsmöglichkeit von jungen Menschen im LWB führte Junge aus, dass Quotenregeln, wie sie auch der LWB bereits besitzt, nicht genug seien. Es brauche auch nicht nur Trainings für junge Menschen um Führungspositionen in der Kirche einzunehmen, sondern genauso müssten die Fähigkeiten der Kirchen, dieses Potential auch zu nutzen, weiterentwickelt werden. 

Das "tägliche Brot" aus dem Motto der Vollversammlung legten beide weit aus. Schep verwies auf Luther, für den auch eine gute Regierung zum täglichen Brot zählte. Auch in der heutigen gesellschaftlichen Situation sei dies, genau wie die Menschenwürde und die Lebensqualität, ein Teil des täglichen Brots. Junge verdeutlichte, dass in der Bitte "Gib uns unser täglich Brot" kein "Ich" oder "mir" vorkomme. Das tägliche Brot müsse daher nach Gottes Verständnis für alle Menschen verfügbar sein.

Als zukünftige Aufgabe des LWB sah es Junge an, sich noch stärker für die Bedürftigen der Welt  einzusetzen und die Bedeutung der diakonischen Arbeit der lutherischen Kirchen weiter auszubauen. Bezogen auf das globale Wirtschaftssystem bedeute dies, Lobbyarbeit für die Armen zu betreiben. "Dass sich wirtschaftliche Aktivitäten selber regulieren und dabei ökologische, soziale und Gender-Aspekte mit berücksichtigen, ist eine Illusion und keine Realität!", so Junge. Der LWB setze sich daher auf der internationalen Ebene und mit verschiedenen Partnern für einen festen Rahmen für wirtschaftliche Aktivitäten ein. Schap hob zusätzlich die individuelle Verantwortung hervor: "Nicht alle Christen verhalten sich so, wie wir denken, Jesus würde es tun. Im Gegenteil sind viele Christen sehr angepasst an die Gesellschaft." Aber man müsse im eigenem Handeln einen Unterschied machen, z. B. durch den Konsum von Produkten aus fairen Handel und ökologischen Landbau ohne gentechnisch veränderte Mechanismen.

Junge prangerte außerdem an, dass manche staatliche und multinationale Aktivitäten außer Verhältnis stünden. Laut einer OECD-Studie hätten die G20 Länder 816 Milliarden US-Dollar bis Mai 2010 dafür aufgewendet, die Banken in diesen Ländern zu retten. Bedenke man die möglichen Implikationen eines allgemeinen Bankenkollapses, könne man dies verstehen. Der Skandal sei aber, dass es bisher die internationale Gemeinschaft nicht zustande gebracht hat, die benötigten Geldmittel zur Überwindung der HIV/Aids Pandemie aufzubringen, die nicht einmal ein Zehntel dieser Summe betragen, so Junge.

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Publikationsdatum dieser Seite: Montag, 12. September 2011 10:51